Paul Singer e.V.

Barnimstr. 10 - Hörweg durch ein Gefängnis für Frauen in 5 politischen Systemen

Fünf Minuten vom Alexanderplatz entfernt liegt ein Ort, an dem mehr als hundert Jahre lang und über fünf politische Systeme hinweg, Frauen eingeschlossen wurden, die mit den jeweiligen Systemen und Regelordnungen kollidiert sind bzw. gegen diese Widerstand geleistet haben: Das Frauengefängnis Barnimstraße.

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Auf dem Grundriss des 1974 abgerissenen Gefängnisses befinden sich heute die Übungsstraßen einer Jugendverkehrschule. Um der Relevanz dieses der Öffentlichkeit nahezu unbekannten Gefängnisses gerecht zu werden wurde vom Land Berlin ein Kunstwettbewerb veranstaltet, in welchem ein Audioweg von christoph mayer chm. und seinem interdisziplinären Team ausgewählt wurde. Zusammen mit dem Paul Singer Verein wird dieses Projekt nun realisiert:

Planüberlagerung
Planüberlagerung (Foto: chm.)

Wer den Audioweg geht, wird von einer Stimme über Kopfhörer durch das Gelände der Jugendverkehrsschule geführt, das vordergründig nichts von seiner Geschichte erahnen lässt. Man hört Originaltonaufnahmen mit persönlichen Sichtweisen von Frauen, die in dem Gefängnis inhaftiert waren.
Ohne Stationen, Markierungen oder Pläne wird man präzise durch das Gelände geführt. Die Hörenden begegnen auf dem von Ihnen eingeschlagenen Weg Einzelschicksalen, werden in die Perspektive und den gesellschaftlichen Rahmen dort inhaftierter Frauen eingeführt und mit Entscheidungen konfrontiert, die die Frauen ins Gefängnis brachten.

Ziel des Projektes ist, sowohl die Institution Frauengefängnis als auch die Orientierung und Desorientierung der individuellen Persönlichkeiten in verschiedenen politischen Systemen zu untersuchen.

Tonaufnahmen vor Ort
Tonaufnahmen vor Ort (Foto: chm.)

Die Anlage des vorhandenen Verkehrsübungsplatzes mit seinen modellhaften Verhaltensregeln liefert in diesem Zusammenhang eine perfekte Architektur. Sie dient dem Audio-Denkmal ohne bauliche Eingriffe als Grundstruktur und bekommt eine zweite, den gegenwärtigen Betrieb nicht beeinträchtigende Widmung als interaktives DENKMAL.

Das Projekt wird gefördert von:
Hauptstadtkulturfonds, Land Berlin, Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, Gedenkstätte Deutscher Widerstand